Mittwoch, 10. April 2013

Meeting

Das erste Mal war ich wieder an einem Händlermeeting in Bern.
Gedanken kreisten in meinem Kopf.

"Wird es gut gehen?"

Die ersten 2 Stunden schaffte ich gut, danach wurde es mühsam. Ich konnte den technischen Dingen nicht mehr gut folgen. Und je länger das Meeting andauerte, desto mehr fragte ich mich, was ich dort eigentlich mache.

Firewalls, Gateways, Router, Bridge, VDSL, WLAN, Radius-Server, IPV6

Nein, das sind keine Begriffe aus einem Science-Fiction Film, sondern Netzwerkbegriffe, welche mir eigentlich geläufig sind, zu denen ich vor einem Jahr locker 2 Stunden hätte einen Vortrag halten können - ohne Vorbereitung.

Jetzt allerdings schaut das Ganze etwas anders aus. Ich merkte, wie ich immer noch nicht fit bin.

Dieser Vormitteg mit dem Meeting hat mich regelrecht ausgelaugt.

Irgendwann diesen Frühling oder Sommer muss ich das Firmennetzwerk überarbeiten.
Und ich drücke mich davor.
Ich habe teilweise immer noch die grösste Mühe, mich in abstrakte Zusammenhänge einzudenken. Und noch viel mehr Mühe bereitet es mir, bei der Sache zu bleiben. Dran zu bleiben, bis etwas läuft und korrekt funktioniert.


Montag, 8. April 2013

Zeit

Ich habe es schon fast zur Gewohnheit werden lassen:

Montag bis Freitag trage ich eine Armbanduhr. Am Freitagabend aber versorge ich sie im Spiegelschrank - und nehme sie erst am Montagmorgen wieder hervor.

Das Rätsel der Zeit.

Zeit haben, sich Zeit nehmen.

Zeit als Luxusagut.

Kürzlich las ich, dass ein solothurner Regierungsratsanwärter von sich behauptet, dass er "ultralange Arbeitstage" bestens kenne. Er sei belastbar, sei sich das gewohnt. Sitzungen bis Mitternacht - und um 05:30 klingle wieder der Wecker. Mein erster Gedanke: Ein Roboter mit Duracell-Batterien!

In der Tat hätte ich vor nicht allzu langer Zeit noch mit etwas Argwohn auf diesen Mann geblickt. Die Frage auf der Zunge "Wie schafft er das bloss?". Und vielleicht einwenig Neid als gedanklichen Unterton: "Warum schaffe ICH das nicht?".

Heute lassen mich solche vermeintlichen Leistungsausweise kalt. Mein einziger Gedanke ist jeweils nur, dass das prinzipiell nicht möglich ist. Solche Sachen durchzuhalten ist nur möglich:

- über eine begrenzte, kurze Zeit
- wenn man entsprechende Durchhalte-Chemie schluckt
- oder wenn man blufft

Kein Körper hält das auf lange Zeit durch. Und wer es versucht, wer meint cleverer zu sein als sein Körper, der erhält früher oder später die Antwort von ihm.

Seit meinem Zusammenbruch hat Zeit eine ganz andere Bedeutung. Einen ganz anderen Stellenwert. Ich habe zwar nach wie vor oft das Gefühl, dass wenn ich "untätig" bin, dass ich meine Lebenszeit nicht optimal nutze. Doch es ist die andere Art der Dinge, mit denen ich meine Zeit ausfülle.

Ganz bewusst mit der Zeit umzugehen heisst für mich, dass ich Dinge, die ich tue möglichst bewusst tue.

  • Hänge ich Bilder auf, dann hänge ich diese bewusst auf. Nicht einfach nur, weil ich grad kurz mal freie Zeit zwischen zwei anderen Dingen habe.
  • Wenn ich ein Buch lese, dann lese ich bewusst darin, nicht weil mir grad langweilig ist.
  • Wenn ich im Wald laufe, dann versuche ich im Wald zu SEIN, nicht über die Pendenzen nachzudenken.
  • Wenn ich an meiner Wetterstation etwas baue, dann mache ich es mit Freude und bewusst, weil ich das eigentlich gerne mache.
  • Wenn ich eine Pflanze einpflanze, dann mache ich das liebevoll und nicht, weil sie einfach dort hin muss und sie dort grad passt und ich sowieso in 5 Minuten weg muss.
Klar, es gelingt mir nicht immer.
Aber ich gebe mir Mühe.

Und ich versuche, Zeit mit anderen Menschen ganz bewusst zu erleben. Es sind nicht einfach nur "Termine". Sondern es sind Begegnungen.

Die beste Definition von sinnvolller Zeitnutzung ist für mich immer noch die Überlegung: An was erinnere ich mich dereinst auf dem Sterbebett?
An PC-Programme?
An Projekte?
An Autos, Maschinen, Werkzeug?

Nein. Niemals.

Es werden Menschen sein, Zeit mit Menschen und irgend welche kleinen Begebenheiten mit diesen lieben Menschen
.
Keine grossen Feste.
Keine riesengrossen Ausflüge.
Es werden immer nur die kleinen Feinheiten und Begegnungen sein, an die ich mich erinnern werde.

Und fast hätte ich es vergessen: Die Kätzchen.




Sonntag, 7. April 2013

Manche freilich

von Hugo von Hofmannsthal

 Manche freilich

Manche freilich müssen drunten sterben
wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
andere wohnen bei dem Steuer droben,
kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

Manche liegen mit immer schweren Gliedern
bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
anderen sind die Stühle gerichtet
bei den Sibyllen, den Königinnen,
und da sitzen sie wie zu Hause,
leichten Hauptes und leichter Hände.

Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
in die anderen Leben hinüber,
und die leichten sind an die schweren
wie an Luft und Erde gebunden.

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
noch weghalten von der erschrockenen Seele
stummes Niederfallen ferner Sterne.

Viele Geschicke weben neben dem meinen,
durcheinander spielt sie all das Dasein,
und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
schlanke Flamme oder schmale Leier.

Samstag, 6. April 2013

Frühling


Heute war es das erste Mal wirklich trocken auf der Wiese. Die frühlingshaften Temperaturen fehlen zwar noch - aber trockener Boden ist schon mal ein Anfang. Auch der Wald erwacht aus seinem Winterschlaf und auf den Rundspaziergängen findet man die ersten Blumen. Selbst das Gras wird langsam etwas grüner, saftiger.



Noch vor einem Jahr war das der Startschuss für die Installationsperiode, welche dann bis ungefähr Oktober dauerte. Aufbauen von Wettermessstationen, Inbetriebnahme. Es gab manch schönen Ort, wo ich installierte. Orte mit extremem Weitblick oder Orte mitten in einem Wald und absoluter Ruhe. Ich kann mich an keinen Ort erinnern, wo ich dann nach getaner Arbeit noch eine halbe Stunde (oder mehr), sitzen blieb. Wo ich die Umgebung auf mich einwirken liess, in Ruhe etwas trank oder gegessen hätte und den Ort so wirklich kennengelernt hätte.
Nein, stattdessen räumte ich nach getaner Arbeit die Werkzeuge auf. Im Sommer schweissgebadet und "ulidig", weil ich wusste, dass ich wieder im Stau stehen würde. Im Herbst halb durchgefroren und froh, ins Auto steigen zu können. Ja, es gab sogar auch Winterinstallationen - wie sehr ich da gefroren habe, erinnere ich mich noch gut.

Die Winterinstallationen....
Immer und immer wieder, obwohl ich mir immer schwor, keine mehr zu machen. Und dann hat der Kunde wieder was verpennt, oder es "musste" einfach unbedingt noch sein usw... usw...usw. Die ärgste Installation war bei -8° und Bise. Eine aufwändige Anlage, eine menge Kabel, Drähte, Metallmasten. Hinterher habe ich mich immer verflucht.

Warum mir das in den Sinn kommt?
Diese Woche hatte ich einen ersten Termin ausser Hause bei einem Interessenten. Ja, wieder eine Anfrage für eine installation. Und wie es der Zufall will, trudeln gleich noch zwei andere Anfragen ein. Die Situation hat mich verunsichert, gestresst, ich konnte mich nicht freuen. Im Gegenteil. Es ging mir überhaupt nicht gut. Etwas in mir sträubte sich dagegen. Ein Gefühl wie früher, wenn mein Bauch mich vor schlechten Projekten warnte. Schlecht im Sinne von "Verlustprojekte", übler Kunde, zu kompliziert, unlösbar mit diesem Budget.

Ja, ich konnte mich sehr gut auf meinen Bauch verlassen.

Ich weiss noch, als ich die Website für den jungen Patron des Hotel Krone ausschlug. Ich konnte es einfach nicht. Seine Ideen von modernem Schnickschnackkäse und mit einer Navigation, die komplizierter nicht hätte sein können. Ich konnte es einfach nicht, das passte nicht zur Krone und fertig. Also sagte ich ab. Er rief wieder an und wieder und ich sagte wieder ab und wieder.

10 Jahre später ist die Korne verkauft, das Mobiliar ausgeräumt, die Patronfamilie ausgezogen. Aus einem Traditionshaus mir schier unendlicher Vergangenheit. Ja, ich konnte mich auf den Bauch verlassen. Was nicht passt, passt nicht.

Und jetzt das. Der Bauch meldet sich wieder und rät mir ab. Aber warum? Eine Installation, die wirklich klein ist. Die als Anfang auch sicher gut passt.... doch da sind die Bedenken: Schaffe ich das? Checke ich das alles noch? Habe ich das Vorgehen und die Planung noch im Griff?

Und einwenig tiefer gegraben: Es ist die Angst wieder in das alte Fahrwasser zu gelangen. Vor lauter Projekten nur noch rumzurennen. Vielleicht sogar wieder ein Burnout, eine Depression reinzufahren. Und dann? Ich würde es mir nicht verzeihen!

Und der Kopf sagt: Hey, sei froh, freue dich. Wieder erste kleine Installationsaufträge sind doch cool. Und es sind ja nicht Systemprojekte, sondern einzelne Projekte. Ja, klar, der Kopf hat Recht - aber der Bauch?





Freitag, 29. März 2013

Über den Wolken

Über den Wolken Songtext

Wind Nord/Ost, Startbahn null-drei
Bis hier hör' ich die Motoren
Wie ein Pfeil zieht sie vorbei
Und es dröhnt in meinen Ohren
Und der nasse Asphalt bebt
Wie ein Schleier staubt der Regen
Bis sie abhebt und sie schwebt
Der Sonne entgegen

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen
Sagt man
Blieben darunter verborgen
Und dann
Würde was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

Ich seh' ihr noch lange nach
Seh' sie die Wolken erklimmen
Bis die Lichter nach und nach
Ganz im Regengrau verschwimmen
Meine Augen haben schon
Jenen winz'gen Punkt verloren
Nur von fern' klingt monoton
Das Summen der Motoren

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen
Sagt man
Blieben darunter verborgen
Und dann
Würde was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

Dann ist alles still, ich geh'
Regen durchdringt meine Jacke
Irgendjemand kocht Kaffee
In der Luftaufsichtsbaracke
In den Pfützen schwimmt Benzin
Schillernd wie ein Regenbogen
Wolken spiegeln sich darin
Ich wär' gern mitgeflogen

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen
Sagt man
Blieben darunter verborgen
Und dann
Würde was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

http://www.youtube.com/watch?v=lK76cnUcj8U

Sonntag, 10. März 2013

230 Tage

Vor rund 230 Tagen...

- mitten im Leben
- mitten im Jahr
- mitten  in den Umzugsvorbereitungen
- mitten in den Projekten
- mitten im Bauen

Es waren Tage wie viele andere auch.

Doch meine Batterien waren leer
Die Lager waren nicht mehr geschmiert.
Die Tinte war ausgetrocknet.
Die Pneus hatten keine Luft mehr drin.

Mein Körper war cleverer als ich.
Er teilte mir unmissverständlich mit, dass er auf diese Art nicht mehr funktionieren wollte.
Ich begriff nicht, was vor sich ging.
Ich verlor den Halt und rutschte über eine schräge Fläche.
Keine Chance, mich an irgend etwas festzuhalten.
Keine Griffe, keine Kanten, keine Vertiefungen.
Nichts - nur flach und schräg.

Da rutschte ich also...
... und bin aus dem Leben gefallen.

Jemand hat die Türe geöffnet und ich bin hinausgefallen.




Ich war müde.
Das Denken fiel mir schwer.
Und ich war traurig, melancholisch, sah keine Zukunft, sah alles zusammenbrechen.
Auf mich einstürzen

Das Leben fand ohne mich statt.
Alles was mir vorher wichtig war, schien nun weit entfernt.
Fast unerreichbar.

Die quälenden Gedanken, wie geht es weiter?
Was läuft mit mir ab?

Der Verstand meldet sich und teilt einem mit, dass es ein Medikament gibt und man in ein paar wenigen Tagen wieder auf dem Damm ist. Genau, das wird schon wieder. Der Bauch aber meldet andere Dinge. Unschöne Sachen.

Man mag einfach nicht mehr.

Ich wollte nur noch liegen, schlafen, ausruhen,
Endlich ausruhen.
Nicht mehr denken müssen.
Nicht mehr planen müssen.
Keine Fehler mehr von anderen ausbaden.
Keine Schicksalsschläge mehr, die auf mich herunterprasseln.



In den dicken, behäbigen Mauern fühlte ich mich wohl.
Es hatte für mich keine Bewandnis, dass das die psychiatrische Klinik war.
Im Gegenteil - ich war geschützt und beschützt.

Mein leben war für kurze Zeit auf das Minimum reduziert.
Ein Tisch - ein Stuhl - ein Bett - ein Schrank.




Ich dachte damals am Anfang wirklich, das sich das bald wieder einrenkt...

Und nun sind es 230 Tage geworden.

Schlechte Tage.
Sehr schlechte Tage.
Aber auch gute Tage.
Und die guten Tage werden immer mehr.

Ja, ich kann sogar wieder lachen. Mich über einen Witz freuen.
Ich kriege wieder langsam Lust, etwas zu tüfteln, zu basteln.
Ich kann wieder technische Zeitschriften lesen, ohne dass ich einen innerlichen Hass auf Technik kriege.

Und ich gehe seit wenigen Wochen wieder in die Bibliothek.
Ich habe Bücher über die Sonne gelesen, den Zusammenhang mit dem Klima. Und ich habe verstanden, was ich las und konnte darüber nachdenken, ohne dass ich nach 5 Minuten müde war.

Kürzlich begann ich sogar mit einem Hörbuch, das ich ausgeliehen hatte. Ich schlief nicht ein und konnte mich konzentrieren, konnte der Geschichte folgen und mich in sie einleben, mich dabei vergessen.


Doch es gibt auch nach wie vor die Tage, wo ich gedanklich nicht vom Fleck komme.
Die Pendenzenliste offen - nicht wissend, wo anzufangen ist.
Wo mich dunkler Nebel umgibt.
Wo sich Fragen öffnen.

Zeitlose Tage















Samstag, 2. März 2013

Spontan

Spät aufgestanden und den Schlaf noch in den Augen.
Frühstück und danach Zeitung.
Alles ohne Hetze, ohne Druck.
Der Samstagmorgen - ich liebe ihn.

Danach waren administrative Dinge zu erledigen, Hausarbeit. Was halt so gemacht sein muss.

Und am Nachmittag Besuch von J. und N.
Es folgte ein langer gemeinsamer Spaziergang - die Bise war aber recht bissig. Danach folgte ein warmes Getränk in der Warmen Gaststube. Leider hatten sie keinen Kuchen... aber der Appetit wollte ich nicht verflüchtigen.

So beschlossen wir, in der Pizzeria etwas zu essen.
Hach, war das gut.
Salat, Pizza.
Gute Gespräche.
Und zum Schluss einen Coupe Dänemark.

Was will man mehr?

Danach habe ich siebenschläfermässig bis weit in den Sonntag hinein geschlafen.